Archive for September 24th, 2008
Tschernobyl – Besuch in der Sperrzone
In der Nähe von Prypjat, einer Stadt in der heutigen Ukraine, befindet sich das stillgelegte Kernkraftwerk Tschernobyl: dort ereignete sich am 26. April 1986 um 1:23 Uhr die zweitgrößte nukleare Katastrophe sowie eine der größten Umweltkatastrophen der Welt.
Beim Test des Sicherheitssystems in Block 4 kam es durch unsachgemäßes Handeln der Techniker zu einer Dampfexplosion von Uran, die schließlich zu Bränden führte. Weiter kam es zu einer Reaktion des Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisches, das das Gebäude sprengte und radioaktive Partikel in der nächsten Umgebung verteilte. Da dieser Prozess nicht schnell genug gestoppt werden konnte, wurden viele Menschen verstrahlt, im Umkreis von bis zu 100 km, leiden Menschen trotz Evakuierungen unter den massiven Folgen radioaktiver Strahlung, wie zum Beispiel Krebserkrankungen und Erblindung.
Bei den Dekontaminations-Arbeiten wurde damals ein Sarkophag aus Beton aufgestellt, der heutzutage einzustürzen droht, da er brüchig wurde. Er soll unbedingt erneuert werden soll – finanziert durch die Mithilfe anderer Länder.
Rund 200 000 Menschen verloren damals ihre Heimat, nur ganz wenige sind zurückgekehrt: rund 4000 Menschen leben von importierten Nahrungsmitteln und lassen sich regelmäßig untersuchen. Durch die Strahlenbelastung ist das Gebiet um den Reaktor noch immer nicht zu bewohnen. Menschenleere Straßen, streunende Tiere, verstrahlte Bäume und Früchte begegnen einem beim Besuch des Gebietes, das nur mit einem Führer und nur für kurze Zeit betreten werden kann: jeder Besucher wird mit einem Geigerzähler zur Messung der Strahlenbelastung ausgestattet. Dieser gibt einen Piepton ab, falls die Belastung zu groß wird.
Eine Aufenthaltsgenehmigung bekommt man über Reiseveranstalter, die vor allem in Kiew zu finden sind. Jedoch gilt diese nur für einen Tag. Übernachtungen, der Konsum von Leitungswasser und das Verlassen der Straßen sind verboten.
In der verlassenen Stadt finden sich nur noch der städtische Kulturpalast, der Autofriedhof und eine orthodoxe Kirche, in der sich ein Priester um die letzten Bewohner bemüht. Umliegende Dörfer sind verlassen und von Plünderern verwüstet: einen Besuch lohnen sie dennoch.

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